Ein Pelikan aus einem Sensenblatt

WAZ, 01.08.2006

AUSSTELLUNG. Vierzig Künstler aus der Region zeigten über 500 Exponate in der Volkshochschule und machten die Besucher neugierig.

MOERS. "Das Leben des Menschen ist wie ein Würfelspiel", sagte einst der römische Dichter Terenz: "Fällt der höchste Wurf nicht, dann verbessert man ihn durch Kunst". Leicht gesagt, aber der Profit, der sich draus ziehen lässt, kann doch verschieden ausfallen, wie jetzt der 2. Niederrheinische Kunstmarkt in der Moerser Volkshochschule zeigte. Wem es nicht gefalle - so Kulturdezernent Heint Gerhard Rötters in seiner Eröffnungsrede am Freitag Abend, der könne ja überwechseln ins Schloss, wo gerade die Ausstellung zum Thema "Mensch ärgere dich nicht" liefe.

Aber von einem "Wechseln" konnte im Haus am Kastellplatz keine Rede sein.
Denn hier verwischten, mit Stift, Farbe, Pinsel, teilweise auf genial einfache Weise, vierzig Künstler aus der Region mit über 500 Exponaten künstlerische Spuren und machten unzählige Besucher neugierig. Wieder und wieder ließen sie philosophische, ideologische, technische und physikalische Gegensätze aufeinanderprallen.
Seit Marcel Duchamp drei Fäden fallen ließ und dann fixierte, Jean Arp die ad-hoc-Lage von Papierschnitzeln als endgültig akzeptierte und die Surrealisten ihre Neugier auf das Unbewusste, das, was Otto Normalverbraucher nicht mit dem ersten Blick sieht, richteten, steht der Zufall, die Fantasie Pate.

Amüsante Metall-Objekte

Und so fanden sich hier im Flur etwa amüsante Metall - Objekte a la Vladimir Holub, von dem Moerser Andreas Bascheck. Geschickt konstruiert Bascheck da etwa aus einem Beil ein Nashorn oder aus einem Sensenblatt einen Pelikan. Unweit davon die herrlichen Malereien, in unterschiedlichen Techniken, von Karin Sommer Heid. Die Titel der Werke sagten alles und entbehren jeglicher Beschreibung: "Ausblick ins Gelobte Land" oder "Ein Hod - Künstlerdorf in Israel". Ein Stück weiter dann u.a. die geometrisch, genügsamen, das Auge fesselnde, konkreten Werke des in Duisburg lebenden H.H. Zimmermann, der gleichzeitig auch den Kunstmarkt initiiert hat, sowie die computerverfremdeten Fotografien des Peter Lengler, der sich auf alle neuen Erkenntnisse der Chaos- und Spieltheorie zu stützen scheint. Es würde den Rahmen sprengen, wollte man auf aUe Arbeiten eingehen. Indes: Manche Nachbarschaft war trivial. Gleichwohl wurde manch einer sehr angeregt und vielleicht zum Nachmachen, Selbermachen angeregt. (RS.)

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