Schönheit und Härte im Stahlwerk

NRZ Moers, 11.04.2008, ANNE HORSTMEIER

AUSSTELLUNG. Andreas Baschek zeigt starke Bilder des Ruhrgebiets abseits jeder Industrieromantik.

Dicht dran an den Arbeitern und der Stahlproduktion ist Andreas Baschek nicht nur in seinen Bildern. Seine Plastiken bestehen aus alten Werkzeugen, die in neuer Zusammensetzung zu Wesen werden. (Foto: Olaf Fuhrmann)MOERS. Hellgelb leuchtet das flüssige Erz, das aus dem Hochofen strömt, die weißen Funken stieben durch die dunkle Halle. Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, kennt das Bild: Abstich. Andreas Baschek, ehemaliger Kruppianer, malt diesen spannenden Moment abseits jeder Industrieromantik. Unter dem Titel "Stahl-Pott" sind die Bilder und Kleinplastiken des 41-jährigen Autodidakten bis zum 21. Juni in der Moerser Galerie Bourceau an der Rheinberger Straße 37 zu sehen. Die Vernissage ist morgen, 13. April, um 16 Uhr.


"Ich wollte mal was mit starkem regionalen Bezug zeigen", so Galeristin Karin Rohr-Arnolds. Andreas Baschek malt starke Bilder. Sicher ist sein Gespür für Farben, die er überwiegend mit dem Spachtel aufträgt, dramatisch sind die Hell-Dunkel- Kontraste, vorsichtig bewegt er sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion und erreicht damit eine große atmosphärische Dichte. Der 41-Jährige vermittelt einerseits die malerische Wirkung, die ein Abstich oder glühende Brammen haben. Andererseits beschönt er nicht die Härte der Arbeit, die die Männer am Hochofen leisten. Eher unterstreicht er sie, indem er seine Bilder in Stahlrahmen fasst oder auf Stahlplatten montiert.
Genauso beeindruckend wie die Ölbilder sind die schwarz-weißen Arbeiten auf Papier, die wie Grafiken wirken. Baschek arbeitet hier mit Schmiedelack; die Dicke des Auftrags bestimmt über die Tönung von Grau bis Tiefschwarz.
Seine Kleinplastiken bestehen aus alten Werkzeugen, die zu Figuren zusammengefügt werden - ein Hummer, vogelartige Wesen, Tanzende. Hier wird das große Vorbild Picasso erkennbar. Allerdings spricht Baschek nicht von gefundenen Objekten. "Ich suche. Kunst muss man sehen."
Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr samstags 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung, Tel: 02841/88 53 897.

derwesten.de v. 11.04.2008Artikel als PDF-Dokument