Seltsame Tiere aus Stahl

NRZ Moers SAMSTAG, 2. APRIL 2005, HEINZ-LEO GARDENIER

KÜNSTLER (Folge 125)/Andreas Baschek malt mit Öl und baut Kleinskulpturen aus Werkzeugteilen.

MOERS. Er versteht sein kreatives Schaffen als Ausgleich seiner Gedanken, dargestellt als Realität und Traum: Bunt und schön ist für ihn Spanien - ein Traum. Und da ist Klassiker Picasso, das große Vorbild von Andreas Baschek. Bild und Skulptur lehnen sich an die damalige revolutionäre Kunst des Spaniers, wobei gerade der reduzierte Stierkopf mit Sattel und Lenkrad wahrscheinlich für Baschek "Modell gestanden hat".
Realität bedeutet für den 1966 in Rheinhausen geborenen Freizeitkünstler der "Kohlenpott". Und den malt er vorwiegend nicht schön bunt. sondern nimmt Schmiedelack zu Hilfe und spachelt die Farbe auf großformatigen Fotokarton-Unterlagen. "Der Ruhrpott ist für mich grau:' Und so kommt das Schwarz-Weiße am besten 'rÜber: Schlote. Emissionen. aber Silhouetten von Bauwerken. seien es Hochhäuser oder BrÜcken drücken dem Ganzen ihren Stempel auf.

Künstler Andreas Baschek: der Kohlenpott ist Realität.
Baschek wurde 1966 in Rheinhausen geboren, er besuchte die Grundschule, danach die Realschule, machte eine Lehre als Bürokaufmann bei der Krupp Stahl AG. Danach folgte die Bundeswehr. 1990 machte Krupp dicht. Baschek wechselte zu den Hüttenwerken Krupp Mannesmann in Huckingen und von dort in eine mittelständische Stahlschmiede in Essen, in der Stahl gebrannt und mechanisch bearbeitet wird. Heute ist Baschek technischer Arbeitsvorbereiter. Er fertigt die Produkte nicht nur am Computer und legt Arbeitsabläufe fest, sondern verbindet seine Büroarbeit auch mit regem Umgang mit den Mitarbeitern, kann so auch komplette Tenninsteuerungen vornehmen.
Künstlerisch kreativ ist Baschek seit 1994: "ich habe immer schon gerne Kunst gesehen, aber konnte mir keine kaufen. So versuchte ich selbst zu malen." Und zwar direkt mit Öl. bei dem er auch heute noch geblieben ist.
Inspiriert wurde er bei der Motivauswahl zunächst durch die Gruppe "Die blauen Reiter" (da vor allem durch Franz Marc). Von diesen Vorbildern kam er schnell weg und sah die Realität mit Industriekulissen, lebte seine Träume mit Aufenthalten in Spanien.
Seit 2002 entstanden dann zunächst Kleinskulpturen aus alten Werkzeugen. nach dem Motto "der Stahl lebt". Baschek: "Formen und Körper werden teils entdeckt, teils geformt. Der Ursprung bleibt dem Betrachter nicht verborgen, sondern vermittelt ihm die Illusion
einer realen Darstellung. So kombiniert er Werkzeuge und Schmiedeteile mit natürlichen Materialien wie Stein und Holz. Natürlich ist ihm da sein Arbeitsplatz auch mitunter "Lieferant". wenn er beispielsweise Schmiedeschrott entsprechend zur Kunst zweckentfremdet.

NRZ v. 02.04.2005Artikel als PDF-Dokument